Hardy Biermann

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Biografie (Auswahl), Presseberichte, Fotografien

 

 

Leben und Werk

Hardy Biermann, geboren in Köln-Frechen als dritter von vier Söhnen einer von den Nachwirkungen des Krieges geprägten Arbeiterfamilie, entwickelte seinen künstlerischen Weg abseits klassischer Bildungsbiografien. Seine Herkunft und die Erfahrung sozialer wie individueller Widerstände – geprägt durch schulische Ausgrenzung infolge von Legasthenie und Sehbeeinträchtigung (er verlor als Kind aufgrund einer Erkrankung die vollständige Sehkraft eines Auges) – bilden einen wesentlichen Resonanzraum für sein späteres künstlerisches Selbstverständnis. Nach handwerklichen Ausbildungen, die er mit Meisterbriefen abschloss, wandte sich Biermann bewusst von einer gesicherten beruflichen Laufbahn ab und schlug einen ungewöhnlichen Bildungsweg ein: Er holte das Abitur nach und absolvierte parallel eine Ausbildung zum Steinbildhauer am Kölner Dom. Sein Studium der freien Malerei in Maastricht und Köln – unter anderem bei Prof. Dr. Irmgard Zepf – verankerte ihn zwar institutionell im akademischen Kontext, doch blieb sein künstlerischer Ansatz bewusst gegenläufig zu akademischen Normen. In der kunsthistorischen Verortung lässt sich Biermanns Werk im Spannungsfeld zwischen Art Brut, Outsider Art und gestischer Abstraktion situieren.
Besonders prägend war für ihn die Auseinandersetzung mit der Sammlung des Psychiaters und Kunsthistorikers Hans Prinzhorn, deren Fokus auf nicht-akademischer, unmittelbarer Bildproduktion einen Gegenentwurf zur etablierten Kunsttradition formuliert. In dieser Linie stehtauch Biermanns Interesse an einer Kunst, die sich dem kontrollierenden Zugriff des Intellekts entzieht und stattdessen körperlich-emotionale Prozesse in den Vordergrund stellt. Gleichzeitig lassen sich Parallelen zur informellen Malerei der Nachkriegszeit erkennen, insbesondere zum Werk von Karl Otto Götz. Wie bei Götz ist auch bei Biermann die Dynamik der Geste, die Spontaneität der Setzung und die Offenheit des Bildprozesses zentral. Doch während das Informel häufig innerhalb kunsttheoretischer Diskurse verortet bleibt, bewahrt Biermann eine radikale Subjektivität, die sich bewusst jeder stilistischen Vereinnahmung entzieht. Seine Arbeiten – sowohl in der Malerei als auch in der Zeichnung – oszillieren zwischen kontrollierter Konstruktion und bewusster Entgrenzung. Die Linie fungiert dabei nicht nur als formales Element, sondern als Spur körperlicher Bewegung. Farbe erscheint weniger als kompositorisches Mittel denn als unmittelbarer Ausdruck innerer Zustände. In dieser Hinsicht lässt sich sein Werk auch im Kontext einer erweiterten Auffassung von Prozesskunst lesen, bei der das
Entstehen des Bildes selbst zum zentralen Bedeutungsträger wird. Über die klassischen Medien hinaus erweiterte Biermann sein künstlerisches Spektrum um Fotografie und digitale Bildbearbeitung. Serien wie „Der Diktator“ oder seine späten fotografischenArbeiten aus Industrie- und Landschaftsräumen thematisieren Spuren menschlicher Eingriffe,
materielle Verdichtungen und Prozesse der Transformation und Vergänglichkeit. Hier berührt sein Werk Ansätze der zeitgenössischen Fotokunst, die sich mit postindustriellen Räumen und ökologischen Fragestellungen auseinandersetzt. Trotz seiner akademischen Ausbildung blieb Biermann zeitlebens ein Grenzgänger zwischen den
Systemen – zwischen Handwerk und Kunst, zwischen Institution und Außenseiterposition. Diese Haltung bestimmte nicht nur sein eigenes Schaffen, sondern auch seine Tätigkeit als Lehrer und Vermittler, in der er ein offenes, prozessorientiertes Kunstverständnis weitergab. Im kunsthistorischen Kontext erscheint Hardy Biermann somit als eine eigenständige Position, die sich gängigen Kategorisierungen entzieht und gerade darin ihre Relevanz entfaltet. Sein Werk ist weniger als abgeschlossene Formensprache zu verstehen denn als kontinuierlicher Versuch, künstlerische Praxis als existenziellen, körperlichen und erkenntnisoffenen Prozess zu begreifen. Sein Œuvre spiegelt ein Leben, das von Brüchen, Neuansätzen und konsequenter Eigenständigkeit geprägt ist – und behauptet sich gerade durch seine Unabhängigkeit als unverwechselbarer Beitrag zur Kunst der Gegenwart.

Text: Letitia Gaba / www.LetitiaGaba.de

 

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CV / Ausbildungen, Studium (Auswahl)

*1962, Köln, +2013, Bonn / Abgeschlossene Ausbildungen: Stahlformbauer, Firma Postel, Köln/ Kunststoffformgeber, Firma J. Wischerath, Köln, Steinbildhauer, Dombauhütte am Kölner Dom / Seit 1990 hauptsächlich freischaffend tätig: künstl. Aufträge und Ausstellungen in Galerien und öffentlichen Räumen in Deutschland und im Ausland / 1990-1995 Holzschnittwerkstatt und -Verkauf, Kramerzunft und Kurzweyl, Verein zur Belebung mittelalterlicher Kultur, Bergneustadt / 1994-1996 Studium der Bildenden Kunst (Freie Malerei) an der Staatlichen Kunstakademie Maastricht, NL / 1995-1999 Studium der Bildenden Kunst (Malerei & Graphik/ Prof. Dr. Irmgard Zepf) & Sozialwissenschaften, Universität zu Köln, Staatsexamen / 1995-1999 Seminare u. Lehraufträge in Vertr. von Prof. Dr. Irmgard Zepf für Kunst u. Kunsttheorie: Fotografie, Grafik, Siebdruckverfahren, Betreuung der Examensarbeiten, u.a., Universität zu Köln / 2003-2013 freischaffend tätig, Atelier in Köln sowie Lehrtätigkeiten und Workshops als Dozent und Lehrkraft

 

Ausstellungen (Auswahl)

Postmortem Ausstellungen (seit 2014 in der Ateliergemeinschaft Lichthof Köln, Museum Wehrturm, u.a. ) / 2013 Memento, Kunsthalle Lichthof, Köln (Katalog) / TABU, Ostwall-Museum, Dortmund / Haiku, Kunsthaus Rhenania , Köln / 2012 Offenes Atelier, Atelier im Lichthof, Köln / Arte vizuale cu participare internationala, Galerie ProArte, Lugoj, RO / 2011 Offenes Atelier "II for II", Atelier im Lichthof, Köln / 2011 Drawn Together/ Drawing Connections, Siena Art Institute, Siena, I / 2010 Flux of lines, Galerie Helios, Timisoara, RO / 2010 Ziarul Neconventional, Ed. 2010-, Galerie GalAteCa, Bukarest, RO (Katalog) / 2010 Kunst im Quadrat, Kunstverein Frechen / 2009 Interferente/Einblicke, Galerie Pro Arte, Lugoj, RO / 2008 Grafik und Malerei, Kunsthalle Lichthof, Köln / 2007 Hoflichter, Kunsthalle Lichthof, Köln / 2007 Grafiken & Zeichnungen, Galerie Artis, Bukarest, RO / 2005 Zwischen Himmel u. Erde, IBO-Messe, Friedrichshaven / 2002 Farbe und Zeichen, Kreishaus Siegburg / 1999 Zeitzeugen, Handwerkerhof, Köln / 1998 Raum-Kunst-Konzept, Gladbeck / 1997 Eurocentres, Köln / 1997 Gut Neu Hemmerich, Frechen / 1995 Galerie Farbe und Erde, Köln

 

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Kataloge & Presse

 

Katalog 2012 / Malerei / vergriffen

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Memento, Werk-Katalog 2011-2013 / vergriffen

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Hardy Biermann: - ein besonderer Kölner Künstler - Werke 2011-2013 Gebundene Ausgabe – 22. Juli 2020

  • Herausgeber ‏ : ‎ epubli
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 22. Juli 2020
  • Auflage ‏ : ‎ 3.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 100 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3752978856
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3752978858

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Hardy Biermann GESAMTWERK: - ein besonderer Kölner Künstler - Gebundene Ausgabe – 22. Juli 2020

  • Herausgeber ‏ : ‎ epubli
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 22. Juli 2020
  • Auflage ‏ : ‎ 5.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 375297883X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3752978834

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Presse (kleine Auswahl / nicht vollständig / in Arbeit...)

 

 

 

 

 

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Fotos

Foto: (c) Walter Biermann, 2012

 

............Fotos: H. Biermann, L. Gaba

 

 

 

 

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